Blog aus Rostock
Auf diesem Bild sieht man den Weihnachtsmann mit Atommüll im Schlitten.

Eine schöne Bescherung.

Atomsuppe statt Glühwein

Tourismus und Atommüll vertragen sich nicht. Deshalb legt das Seebad Lubmin großen Wert darauf, dass vom Zwischenlager Nord gesprochen wird, wenn Mitte Dezember die Castoren rollen.

Höchst wahrscheinlich werden zwischen dem 13. und 16. Dezember vier Castor-Behälter aus dem südfranzösischen Cadarache im Zwischenlager Nord eintreffen. Zum ersten Mal wird sich auch westdeutscher Atommüll in den Behältern befinden, namentlich vom ehemaligen Forschungsschiff Otto Hahn (Geesthacht) sowie dem Forschungsreaktor in Jülich. Ein Detail, das vor Ort für besondere Aufregung sorgt. Bislang wurden auf dem Gelände des ehemaligen DDR-Atomkraftwerks Lubmin nur die radioaktiven Überreste des Sozialismus zwischengelagert.

Karlsruher Atomsuppe

Besonders pikant aber dürfte der zweite Transport sein, der für Anfang 2011 angekündigt ist. Aus der stillgelegten Wiederaufarbeitungsanlage in Karlsruhe wird die berüchtigte "Atomsuppe" ins Zwischenlager Nord transportiert. Hierbei handelt es sich um ein Abfallprodukt, das bei der Aufbereitung von Brennelementen zwischen 1971 und 1990 entstanden ist - z.T. vierzig Jahre alter Atommüll.

Die etwa 60.000 Liter Atomsuppe wurden bisher in zwei speziellen Tanks in Karlsruhe gelagert und enthalten 16,5 Kilogramm Plutonium sowie eine halbe Tonne Uran. Da beide Tanks große Hitze abgaben, mussten sie in den letzten Jahrzehnten durchgehend gekühlt werden. Im August 2009 erteilte das baden-württembergische Umweltministerium dann den Auftrag, durch ein spezielles Verglasungsverfahren, die Atomsuppe endlagerfähig zu machen. Kostenpunkt: 2 Milliarden Euro.

Vom AKW zum Seebad Lubmin

Kein Wunder also, dass das Seebad Lubmin nur ungerne in einem Atemzug mit dem Zwischenlager Nord genannt werden möchte. Käme es in Ostvorpommern auch nur annähernd zu Protesten wie im Wendland, dürfte dies dem Tourismus nachhaltig schaden. Einer Branche, die absurderweise just die Arbeitsplätze beginnt zu schaffen, die durch das Ende des DDR-AKWs Lubmin in der Region verloren gingen. Einst arbeiteten mehrere tausend Menschen direkt oder indirekt für den Atomstrom. Vielleicht auch ein Grund, warum breiter Bürgerprotest in der Region bis heute ausgeblieben ist.

Anti-Atom Demo in Greifswald

Dies soll sich jetzt aber ändern, wenn es nach "Lubmin NiX da!" geht. Sie wollen den Protest gegen das "Atomklo Nord-Ost" in den nächsten Wochen verschärfen und mobilisieren regional und überregional derzeit Mitstreiter, um über das Zwischenlager Nord aufzuklären. Am 11. Dezember wird um 13 Uhr eine Großdemonstration in Greifswald stattfinden - über weitere Protestveranstaltungen kann man sich unter www.lubmin-niXda.de informieren.

Geschichte Zwischenlager-Nord

1990: Abschaltung des AKW Lubmin
1991: Alle Fraktion des Landtags stimmen dem Bau eines Zwischenlagers zu. Bedingung: Ausschließlich ostdeutscher Atommüll
1992: Regierungskoalition aus CDU und FDP verhindert eine entsprechende Beschränkung nachträglich
1993: "Umwidmung", auch hochradioaktiver Müll kann eingelagert werden
1995: 15.000 Einwendungen gegen das Zwischenlager
1999: Inbetriebnahme des kompletten Zwischenlagers
2006: Die letzten Castor-Behälter aus Rheinsberg und Greifswald werden eingelagert
2007: Transport des Druckbehälters aus dem Reaktor in Rheinsberg
2010: Erstmalige Einlagerung westdeutschen Atommülls aus Geesthacht und Jülich
2011: Einlagerung der "Atomsuppe" aus ehemaliger Wiederaufbereitungsanlage in Karlsruhe
2039: Bisher gültige Genehmigung für 40 Jahre Zwischenlagerung endet

Links

- Interview mit Felix vom Anti-Atom Bündnis Nord-Ost (mp3)
- Taz über Lubmin
- Lubmin NiX da! auf Twitter
- Lubmin - der vergessene Standort
- Hintergrund Atomsuppe

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